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Zweifach oder dreifach

Zweifach oder dreifach:
Die Scheibenzahl entscheidet es nicht.

Die dritte Scheibe ist zum Symbol für gute Fenster geworden. Tatsächlich trägt sie nur einen Teil des Ergebnisses. Dieser Artikel ordnet, woraus Wärmeschutz beim Glas wirklich entsteht und wann eine dritte Scheibe sinnvoll ist.

Wirkt am stärksten

Beschichtung der Scheibenoberflächen

Wirkt mit

Gasfüllung und Abstand im Scheibenzwischenraum

Wird unterschätzt

Randverbund und Rahmenanschluss

Kommt hinzu

Gewicht, Beschlag und Bedienung

Direkte Antwort

Brauche ich dreifach verglaste Fenster?

Im gedämmten Neubau ist dreifach heute der Normalfall. Im ungedämmten Altbau kann zweifach die klügere Wahl sein.

Der Grund ist nicht Sparsamkeit, sondern Bauphysik: Wird das Fenster deutlich besser als die Wand, wandert die kälteste Oberfläche im Raum vom Glas an die Laibung oder in die Raumecke. Dort fällt dann die Feuchte an.

Sinnvoll ist die Entscheidung deshalb im Zusammenhang: Zustand der Wand, geplante Dämmung, Nutzung des Raums und Lüftungsverhalten gehören dazu.

Fachliche Erklärung

Woraus der Wärmeschutz einer Verglasung entsteht.

Eine Isolierglaseinheit besteht aus Scheiben und den Zwischenräumen dazwischen. Der Wärmeschutz entsteht überwiegend in diesen Zwischenräumen und an den Oberflächen, die sie begrenzen, nicht durch das Glas selbst.

Eine dünne Beschichtung auf einer inneren Scheibenoberfläche reflektiert Wärmestrahlung zurück in den Raum. Eine Gasfüllung leitet Wärme schlechter als Luft. Der Abstand der Scheiben hat ein Optimum: zu eng leitet, zu weit lässt die Füllung zirkulieren.

Eine dritte Scheibe fügt einen zweiten Zwischenraum hinzu und damit einen zweiten Satz dieser Effekte. Sie bringt aber auch Gewicht, das Beschlag, Rahmen und Bedienung mittragen müssen.

  1. ABeschichtung reflektiert Wärmestrahlung zurück; der wirksamste einzelne Faktor
  2. BGasfüllung leitet schlechter als Luft; wirkt nur, solange die Einheit dicht ist
  3. CRandverbund verbindet die Scheiben am Rand; ein schlechter Rand macht einen guten Aufbau am Rand wieder zunichte
  4. DScheibenzahl fügt einen weiteren Zwischenraum hinzu; wirkt, aber nicht allein
SZRSZRAufbau, schematischScheiben und ZwischenräumeAufbau
Dreifachverglasung, schematisch

Entscheidungshilfe

Wann zweifach genügt und wann dreifach passt.

Die Tabelle vergleicht Situationen, nicht Produkte. Sie ersetzt keine Einzelfallbetrachtung, sondern sagt, in welche Richtung sie geht.

Richtungsentscheidung, ohne Herstellerbezug und ohne Kennwerte.
Situation eher zweifach eher dreifach
Gebäude ungedämmter Altbau ohne geplante Dämmung gedämmter Bestand oder Neubau
Wandqualität Wand deutlich schlechter als das Fenster Wand und Fenster auf ähnlichem Niveau
Raumnutzung wenig genutzte oder kühle Nebenräume dauerhaft beheizte Wohn- und Schlafräume
Elementgröße sehr große Flügel, bei denen Gewicht zum Thema wird übliche Formate und Schiebeelemente mit passendem Beschlag
Zusätzliches Ziel Schallschutz im Vordergrund, dann zählt der Aufbau mehr als die Zahl Wärmeschutz im Vordergrund und die Hülle passt dazu
Fördersituation keine Anforderung an einen bestimmten Standard ein geforderter Standard soll erreicht werden

Seitlich wischen

Zur Fördersituation machen wir hier bewusst keine Aussage: Welche Anforderung in Ihrem Fall gilt, hängt vom jeweiligen Programm ab und ändert sich. Das gehört in die Beratung, nicht in einen allgemeinen Artikel.

Einbaubezug

Ein gutes Glas in einer offenen Fuge verliert seinen Vorteil.

Der Wärmeschutz eines Fensters entsteht aus Glas, Rahmen und Anschluss zusammen. Der Anschluss ist der Teil, der nicht im Datenblatt steht und den man später nicht mehr sieht.

Bei einer sehr guten Verglasung wird der Anschluss sogar wichtiger, weil der Unterschied zwischen dem Element und der kältesten Stelle daneben größer wird. Genau dort schlägt sich dann Feuchte nieder.

  • die kälteste Oberfläche im Raum wandert vom Glas an die Laibung
  • eine gedämmte Fugenmitte verringert diesen Sprung
  • die innere Ebene muss dichter sein als die äußere
  • Lüftungsverhalten gehört zur Planung, nicht in die Reklamation
010203innenaußenSchnitt

Typische Fehler und Missverständnisse

Was über Verglasung häufig gesagt wird.

  • Annahme„Drei Scheiben sind immer besser als zwei.“

    TatsächlichBesser für den reinen Glaswert, nicht automatisch besser für den Raum. Im ungedämmten Altbau kann eine dritte Scheibe das Feuchteproblem an eine andere Stelle verschieben.

  • Annahme„Das Gas entweicht nach ein paar Jahren und dann ist alles egal.“

    TatsächlichEine intakte Einheit verliert Füllung nur sehr langsam. Entscheidend ist der Randverbund. Ist er defekt, sieht man das meist zuerst am Beschlag zwischen den Scheiben, nicht an einem Kennwert.

  • Annahme„Dreifachverglasung macht den Raum dunkler.“

    TatsächlichEine zusätzliche Scheibe und ihre Beschichtung lassen etwas weniger Licht durch. Im Alltag fällt das selten auf; deutlich stärker wirkt die Rahmenbreite und damit der Glasanteil des Elements.

  • Annahme„Mit dreifach brauche ich keine Verschattung mehr.“

    TatsächlichWärmeschutz im Winter und Sonnenschutz im Sommer sind verschiedene Aufgaben. Gegen sommerliche Hitze hilft Verschattung außen, nicht die Scheibenzahl.

Häufige Fragen

Zur Verglasung.

Kann ich nur die Scheiben tauschen und den Rahmen behalten?

Technisch manchmal ja, sinnvoll oft nicht.

Ein alter Rahmen ist auf die Dicke und das Gewicht der alten Einheit ausgelegt. Passt eine dickere Einheit überhaupt hinein, tragen Beschlag und Falz sie nicht zwangsläufig. Dazu kommt: Der schwächste Teil eines alten Fensters ist häufig nicht das Glas, sondern die Dichtung und der Anschluss.

Warum beschlägt mein neues Fenster außen?

Weil es sehr gut dämmt. Das ist kein Mangel.

Wenn kaum Wärme nach außen dringt, bleibt die äußere Scheibe kalt und kann bei klarer Nacht unter die Umgebungstemperatur fallen. Dann schlägt sich Luftfeuchte darauf nieder, wie auf einem Autodach. Es verschwindet im Lauf des Vormittags.

Was ist mit Schallschutz, wenn ich dreifach nehme?

Beides geht, folgt aber unterschiedlichen Regeln.

Schallschutz entsteht aus Masse und aus einem asymmetrischen Aufbau, also unterschiedlich dicken Scheiben und Verbundfolien. Eine symmetrische Dreifachverglasung ist nicht automatisch die bessere Schallschutzscheibe. Wenn Lärm Ihr Hauptthema ist, sollte der Aufbau danach gewählt werden.

Grundlage und Grenzen

Worauf dieser Artikel beruht.

  • Grundlageallgemein anerkannte bauphysikalische und handwerkliche Zusammenhänge, herstellerneutral formuliert
  • Nicht enthaltensystemspezifische Kennwerte, Prüfklassen, Preise, Fristen und Lieferzeiten; solche Angaben stehen im Datenblatt des jeweiligen Systems
  • Externe Quellenfür diesen Artikel nicht herangezogen; er nennt bewusst keine Zahlen, die ohne Beleg im Einzelfall falsch wären

Welche Wand steht neben Ihrem Fenster?

Diese Frage entscheidet mehr über die richtige Verglasung als jede allgemeine Empfehlung. Beim Aufmaß sehen wir sie uns an.

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